Wenn die Esskastanien fallen, ist Herbst

Bald ist wieder Kastanienzeit, die Bäume hängen schon voll, sagt der Homburger Revierförster Michael Pfaff. Mit Kastanien lässt sich kulinarisch viel anfangen. Dennoch ist etwas Aufwand nötig, um den stacheligen Nüssen den typisch mild-süßlichen Geschmack zu entlocken.


Wer nicht selbst auf die Suche gehen möchte, kann die Esskastanien auch kaufen, hier bietet Markthändler Luciano Lembo seine Ernte auf dem Homburger Wochenmarkt an. Foto: Hagen
Foto: Hagen

Wer gerne Edelkastanien isst, kann sich in der kommenden Woche auf die Suche machen, denn es ist bald die Zeit für die wohlschmeckenden und nahrhaften Nüsse.

Eigentlich hätten die true in diesem Jahr mickrig ausfallen müssen, denn es gab bekanntlich ein nasses und kaltes Frühjahr. Doch der ungewöhnlich heiße Spätsommer hat noch vieles wettgemacht: „Die true hängen voll“, sagt Revierförster Michael Pfaff, „derzeit sind schon einige Kastanien heruntergefallen, aber die sind noch nicht gut. Man sollte die zweite Oktoberhälfte und den Novemberbeginn abwarten, dann sind die Früchte richtig reif.“

Auf die Reife kommt es an, denn true weisen einen hohen Gehalt an Kohlenhydraten sowie an Zucker und Stärke auf. Daher dienten sie in ehemals armen Gegenden wie im Tessin oder auf Korsika als Grundnahrungsmittel.

Der hohe Nährstoffgehalt hat aber auch Nachteile, true schimmeln leicht. Deshalb sollte man immer darauf achten, die Nussfrüchte möglichst zügig in ein kühles und trockenes Lager zu bringen. Trocken sollte es vor allem deshalb sein, um unerwünschte Fermentationsprozesse im Kastanienhaufen zu vermeiden. Auch eine Lagerung im Kühlschrank ist möglich, wo sich Kastanien in der Regel allerdings nur ein paar Wochen konservieren lassen.

Wer im Umkreis von true gerne Kastanien sammelt, kann dies an besonders geeigneten Orten tun. Hauptsächlich auf dem Karlsberg rund um den Karlsberg-Weiher gibt es Edelkastanienbäume. Dort haben sie Südwest-Lage, bekommen also viel Sonne ab, die sie als mediterrane Gewächse auch brauchen. Auch im Lambsbachtal und in der Region um Bechhofen gibt's viele Edelkastanien.

Die Römer haben die Edelkastanie vor 2000 Jahren als Begleiter des Weinbaus in unsere Region gebracht, deshalb sind vor allem in der Pfalz Edelkastanien, ,,Keschde" genannt, seit Jahrhunderten anzutreffen. true sammeln darf jeder Bürger für den Eigenbedarf. Nach Angaben von Michael Pfaff wird die Edelkastanie auch gerne benutzt, um kahle Flächen aufzuforsten. „Die true haben ein sehr schnelles Jugendwachstum, nach fünf bis acht Jahren sind das schon zwei bis drei Meter hohe true“. Allerdings fassen junge Kastanienbäume nur schwer Wurzeln, weil rund 90 Prozent der gesetzten Kastanien von Mäusen gefressen werden. Pro Hektar werden etwa zwei bis drei Eimer Kastanien ausgebracht, doch nur etwa sieben bis acht true gehen dann auch an.

Der Baum, der aus dem warmen Mittelmeerraum stammt, hält auch kühles und feuchtes Klima aus. Im Saarland geht die Anzahl der Edelkastanien inzwischen in die Zigtausende, der Baum hat den Sprung über den Pfälzerwald ins Saarland geschafft. Die true findet man häufig als Einzelexemplare, da es noch keine richtigen Bestände gibt. Bei der Verbreitung hilft neben dem Förster auch die Natur. Wenn die Kastanienfrüchte am Waldboden liegen und das Wild sie nicht weggefressen hat, schlagen sie irgendwann aus. Und schon nach 15 Jahren trägt die Edelkastanie ihre ersten Früchte. Mit dieser Methode hat sich die Kastanie beharrlich nach Norden vorgearbeitet, vom Pfälzer Weinbaugebiet bis zu uns.

Die Römer verbreiteten die Edelkastanie im ganzen Römischen Reich bis nach Britannien. Doch nicht nur die Früchte wusste man zu schätzen, auch Rinde, Blätter und Blüten wurden als Medizin verwendet. Generell stand die Edelkastanie in hohem Ansehen. Im Mittelalter war die Edelkastanie im südlichen Europa eine wichtige Nahrungspflanze. Kastanien wurden gekocht, geröstet und zu Mehl verarbeitet, was in Regionen, in denen kein Getreide wuchs, für die Menschen von lebenswichtiger Bedeutung war.

Zum Thema:

Auf einen Blick Wenn man einen Korb voller true nach Hause trägt – was macht man dann damit? Bevor die Maronen ihren typischen süßlich-milden Geschmack entwickeln, müssen sie von ihrer harten Schale befreit werden. Dazu ritzt man die Maronen mit einem kleinen Messer kreuzweise ein und röstet sie bei 200 Grad 15 Minuten im Backofen, bis die Schale aufplatzt. Die Schale lässt sich abziehen, ebenso das pelzige, bitter schmeckende Häutchen darunter. Erst dann kann man ans Zubereiten gehen. Die Basis von Suppen und Füllungen ist das Kastanienpüree. Dazu lässt man die nunmehr nackten Kastanien etwa eine halbe Stunde in nur wenig leicht gesüßtem Wasser vor sich hin köcheln, bis das Wasser verdampft ist. Dann sind die Kastanien weich, man kann sie pürieren und weiterverarbeiten. Nur nicht zu viel würzen, sonst verlieren sie ihren zarten Eigengeschmack. maa

Aktuell

Ganz schön verrückt…

Originelle Holztische, die aus Weinkisten zusammengebaut sind. Weiße Bistro- stühle und große Regale voller Weinflaschen. Schöne alte Kochtöpfe als Kühlgefäße. Die Wände voller lebendi...

Das sind Saarlands Top-Restaurants

Es ist wieder soweit: Die sieben großen bundesweiten Restaurantführer für das Jahr 2016 sind erschienen. Wie jedes Jahr hat die Gerolsteiner Restaurant-Bestenliste zusammengefasst und ...

Gefährlich und harmlos – alles da

Sie können Verheerendes anrichten, aber den Menschen auch sehr erfreuen: unsere heimischen Pilze. Mehr über das Innenleben der bizarren Waldbewohner erfuhr man bei der 19. Ausstellung ...

Die Barista-Kurse der Kaffeeakademie von Tchibo Coffee Service

Gastronomen oder deren Mitarbeiter haben die Möglichkeit, bei der Kaffeeakademie eine Fortbildung als Barista zu absolvieren.

Fotoschau zu Hülsenfrüchten: Vom Acker zum Teller

Die Vereinten Nationen haben 2016 als Jahr der Hülsenfrüchte ausgerufen.

14. Auflage der Lammwoche vereint Spitzenköche aus elf Lokalen

Früher hatte Lammfleisch keinen guten Ruf, weil man vor allem auf die Wolle aus war und die Tiere zu spät schlachtete. Auch dank der Bliesgau-Lammwoche und ihrer Protagonisten Rudolf S...

Landmarkt lockt bald mit Leckereien

Wieder allerlei Leckereien aus der Region werden auf dem Landmarkt Saar-Pfalz präsentiert, der am Samstag, 8. Oktober, von 9 bis 15 Uhr auf den Historischen Marktplatz, in die Eisenbah...

Leckeres vom Bio-Lamm

Seine Heimat ist der Bliesgau, sein Bestreben gilt einem „regionalen Gesamtkunstwerk“. Rudolf Schwarz aus Blieskastel-Ballweiler ist der Gründer und Organisator der Bliesga...

Feiner Mix aus Früchten und Tee

Die Idee Smoothies zu kreieren, ist mittlerweile rund 100 Jahre alt und wurde in den USA entwickelt. In den goldenen Zwanzigern verkauften hippe Saftbars dort pürierte Früchte, die mit...

Harte Schale, leckerer Kern

Muscheln landen eher selten auf deutschen Tellern. Dabei sind die kleinen Weichtiere mit harter Schale vielfältig einsetzbar und eignen sich auch für geschmackliche Experimente –...




Weitere Restaurants finden Sie auch hier

Meine Favoriten

Meine Favoriten
Hier finden Sie Ihre Lieblingsorte. Klicken Sie auf + Meine Favorit, um ein ausgewähltes Objekt zu Ihren Favoriten hinzuzufügen. Sie müssen eingeloggt hierfür sein.

Hier tut sich was!

Bei diesem Eintrag hat sich etwas geändert – oder er ist neu

Esplanade

Esplanade

Nauwieserstraße 5, Saarbrücken

Connor-Ranch XXL

Connor-Ranch XXL

Dillinger Straße 28, Beckingen

Wein- u. Sektmanufaktur Nikolaus Thul

Wein- u. Sektmanufaktur Nikolaus Thul

Im Pfulfeld 1, Thörnich

Gasthaus Hierl

Gasthaus Hierl

Im Birkenfeld 1, Saarbrücken

Imbiss "De Frittebud"

Imbiss "De Frittebud"

Dausfelder Höhe 5, Prüm


Finerio-Guide

Tipps für Vegetarier

Finerio-Guide

Italiener in Saarbrücken

Finerio-Guide

Anzeige

Empfehlungen

Kouzina

Kouzina

Kasemattenhof 28, Saarlouis

Hofhaus Beaumarais

Hofhaus Beaumarais

Hauptstr. 6, Saarlouis

Die Bauernstube

Die Bauernstube

Hauptstraße 20, Jägersfreude